Manchmal wünsche ich mir

An manchen Tagen wünsche ich mir, du könntest noch einmal über die vielen Theater dieser Welt resümieren oder mit mir über den Paradeberg spazieren, dabei »Du fehlst mir« von Cappuccino singen, um mir so deine Liebe zu gestehen. Manchmal wünsche ich mir, du könntest noch einmal deine Gitarre aus der Ecke holen, um einen Song für mich zu spielen, dabei mit Blicken auf die Vögel am Himmel zielen, als würde Regen aufkommen, in jenem Moment. Manchmal aber wünsche ich mir nur, du könntest noch einmal neben mir liegen, mir mit deinen Händen durch die Haare fahren und auf Russisch »ich liebe dich« sagen. Meist schließe ich danach das Fenster zur Nacht, lass die Zigarette verglimmen und weine mich in den Schlaf.
Meinem Mann gewidmet, der am 15.02.2014 verstarb

Schwebend

Der Geruch des Winters trägt sich durch die Nacht. Niemand wacht. Leise und verwegen, eine Feldmaus im Untergeholz. Raschelnd das Parkett der Tänzer. An der Mauer ein riesiges Graffiti. Sternenhimmel auf Erde Zwei. Alles stirbt. Irgendwann. Im Kleid Erotik, die schöne Marilyn. Schwebende und ewiges Portrait. Stetig sinnlich, unverdorben. Ewig lebt. Sie.

Es werden mehr Schmerzen

Mit jedem Tag kommen Schmerzen dazu. Erst die Thrombose, jetzt der Bauch. Ja, Krebskranke haben Verdauungsprobleme, wenn sie Morphium nehmen, aber wie schmerzhaft diese werden können, erfahre ich zurzeit. Letzte Nacht war ich online, weil ich nicht schlafen konnte, wegen dieser Schmerzen. Man ärgert sich mit genug Dingen herum, sodass ich das Maß, über welches ich mich noch ärgere, reduziert habe. Ich ignoriere vieles, was leichter macht, mit Dingen nicht mehr umzugehen, mit denen umzugehen sich nicht lohnt.
Ich wollte noch ein paar Leute kennenlernen. Meine Kaffeefahrt habe ich abgebrochen, ich schaffe es nicht mehr und genieße die Tage, an denen mir eine gewisse Schmerzfreiheit vergönnt ist, mit kleineren Aufgaben, die mich nicht anstrengen. Es hat Spaß gemacht, die Leute kennenzulernen, die ich getroffen habe. Die einen bei mir zu Hause, die anderen außerhalb.

Du


Du schreibst über Blumenwiesen in der Nähe des Hafens, über Schiffe, die an- und ablegen, du sprichst über Rosen, die du verschenkt hast und Vergangenheit. Du sagst Adler seien königlich und Geier Ratten der Lüfte, doch verschweigst immerzu, ob und wie sehr du mich liebst.

Janosh ist auf dem Markt

Janosh schaute mich aus seinen großen, blauen Augen an, grinste mit einem Mal übers ganze Gesicht und lief lauthals schreiend über den Flur: »Ich bin das Leben und ihr seid tot, ihr seid alle tot.« Er kehrte um, raste auf mich zu, blieb abrupt stehen und keuchte: »Du auch.«
  • Taschenbuch: 154 Seiten
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 1507723105
  • ISBN-13: 978-1507723104
  • Größe und/oder Gewicht: 12 x 1 x 19 cm 
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Nur eine Thrombose



Der Kniebruch stellte sich als Thrombose im Knie heraus. Mein Dok erklärte mir, dass viele Krebspatienten unter Thrombosen leiden. Ich wusste gar nicht, dass die so schmerzhaft sein können, bin aber froh, dass es kein Bruch im Knie ist. Thrombosen sind gefährlich, ich habe gleich heute eine Infusion bekommen. Der Arzt legte mir, wegen meiner Spritzenphobie einen Zugang in die Bauchdecke und einen Zweiten, um den Port zu entlasten, der entzündet ist, weshalb sich die Haut rundherum erst mal wieder erholen muss. Morgen bekomme ich die Thrombosestrümpfe, dann bin ich mehr beruhigt

Meine Freundin sagte:
»Eine Thrombose kriegen wir wieder in den Griff und dann kannst du wieder gehen.«

Eine Metastase im Knie wäre wirklich schlechter gewesen. Ich bin froh, dass es ist, wie es ist. So bleibt es bei dem Rippenbruch. Momentan schreibe ich wieder an einem Roman, den würde ich gerne zu Ende bekommen und bin schon auf Seite 47. Eine interessante Geschichte zum Thema Alkoholismus, die nichts mit meinem Mann oder mir zutun hat. Ich habe viel recherchiert, um die Protagonisten lebendig wirken zu lassen. Die Arbeit macht mir Spaß, was ja auch bedeutet, dass die Muse zurück ist.

Gute Nacht.

Kniebruch

Tja, letzte Nacht hat es mein Knie erwischt. Ich wurde mit Schmerzen wach. Erstmal eine kleine Dosis Morphium, dann der Versuch zu gehen. Wenn ich Uschi nicht hätte, ich wäre keinen Schritt vorangekommen. Wahrscheinlich ist irgendwo im Knie eine Metastase, die jetzt für den Bruch verantwortlich ist. Momentan habe ich alle Schmerzmittel genommen und spüre nur eine leichte Empfindlichkeit. Ich bin nur froh, dass mir bisher Brüche in den Händen erspart blieben. Das wäre eine Katastrophe, wenn ich nicht mal mehr schreiben könnte oder alleine essen. Man merkt erst, wie wichtig einzelne Dinge in einem sind, wenn sie nicht mehr funktionieren.

Gute Nachricht: Ich habe drei Stunden durchgeschlafen, nachdem ich mir selbst Medikamente verabreicht habe. Nur in dem Maß, in dem ich es darf, aber glücklich, dass ich schlafen konnte, wünsche ich allen einen schönen Tag.

Eine Migräneaura habe ich wieder mit Novalgin in die Flucht geschlagen :) Ich bin so gut. Der Spruch: "Nichts übers Knie zu brechen", bekommt eine besondere Wirkung, wenn etwas in ihm gebrochen ist.